AfA UB Amberg

Umbrüche in der Automobilindustrie-Was wird aus den Arbeitsplätzen?

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Die Arbeitsgemeinschaft  für Arbeitnehmerfragen (AfA) in der SPD beschäftigte sich auf ihrer letzten Sitzung in Sulzbach-Rosenberg mit den Umbrüchen, welche die Elektromobilität mit sich bringen wird.

Dazu konnte SPD AfA UB Vorsitzender Karl Heinz König  die neugewählte  SPD-AfA Landesvorsitzende Bayern, Ronja Endres, als Referentin zu diesem Thema in Sulzbach Rosenberg begrüßen.

In Ihrem Vortrag mit dem Titel „Umbrüche in der Automobilindustrie“ zeigte Frau Endres als Erstes auf, wie die Minderung des CO2 - Ausstoßes nach dem Pariser Abkommen zum Klimaschutzplan Einfluss in Deutschland auf die Verschiedenen Sektoren nehmen wird. Die CO2-Einsparung 1990 – 2014 für den Energiesektor bei –23%, für die Industrie bei –36%, der Anteil bei den Gebäuden bei -43%. In der Landwirtschaft liegen die Einsparungen bei -18%. Diese Bereiche sind also beherrschbar und auch Leistbar. Jedoch bleibt im Verkehrsbereich von zurzeit –2% noch eine gewaltige Lücke bis zum Ziel 2030 von –42% bis -40%.

Zur Veranschaulichung: Das Pariser Abkommen sieht bis 2030 (in 10 Jahren) eine Einsparung von 55% vor und bis 2050 sollen ca. 80 -95% Einsparungen erreicht werden. Bis 2020, also im nächsten Jahr, dürfen Neuwagen im Durchschnitt nur noch 95 g CO2 pro Kilometer ausstoßen. Das ist nur mit den sog. „Zero-Emission-Cars“ zu erreichen. Bis 2030 bedeutet das einen Anteil bei der Zulassung von Neuwagen von 50%. Wird dieses Ziel nicht erreicht, drohen Strafen in Milliarden Höhe, welche die Bundesrepublik zahlen müsste, also wir, der Steuerzahler, und nicht die Industrie!

Und genau hier kommt das nächste Problem für den Automobilsektor und den Arbeitsmarkt auf den Tisch. Nach der ELAB 2.0 – Studie zu „WIRKUNGEN DER FAHRZEUGELEKTRIFIZIERUNG AUF DIE BESCHÄFTIGUNG AM STANDORT DEUTSCHLAND“ werden lt. Abschlussbericht dieser Studie vom 15.10.2018 per Saldo 100.000 Arbeitsplätze in der Produktion der Antriebsstränge in der Automobilindustrie wegfallen. Andere Studien sprechen sogar von zusätzlich 150.000 Arbeitsplätzen, wenn Zulieferer mit einbezogen werden. Das hat natürlich Auswirkungen auf das Brutto-Inlands-Produkt (BIP). Das sind alle Leistungen, die in der Bundesrepublik erwirtschaftet werden. Das BIP wird dann minus 1% betragen. Das bedeutet, eine Firma oder der Krämer um die Ecke wäre mit minus 1% Gewinn einfach gesagt, Pleite. Zusätzlich werden sich bis zum Jahr 2030 (10 Jahre!!!) noch ca. 150.000 Arbeitsplätze ändern. Bei den Automobilherstellern können viele Folgen aufgefangen werden, da hier auch das nötige Kapital vorhanden ist. Im Gegensatz dazu bei den Zulieferern: Hier werden nach glaubhaften Studien ca. 45% der Arbeitsplätze verloren gehen und es gibt hier bislang auch keine sichtbaren Anstrengungen der Wirtschaft und der Politik, Lösungen zu erarbeiten. Beispiel BOSCH Deutschland: 15.000 Arbeitsplätze hängen direkt vom Diesel ab. In Bayern sind 4.000 Arbeitsplätze allein in Bamberg bedroht. Zum Beispiel Dieselmotor: Die Herstellung eines Dieselmotors benötigt ca. 10 Arbeitskräfte in der Produktion. Die Herstellung eines elektrischen Antriebsmotors nur 1 Person. Und wer braucht in einem Elektrofahrzeug noch eine Zündkerze??? Die nächsten Unwägbarkeiten der e-Mobilität ist auch schon in Sicht: Wer darf denn so ein Auto mit Hochvoltantrieb überhaupt Reparieren? Die heute vielfach vorhandenen Service-Häuser der Automobilindustrie dürfen das erst, wenn A.) der Hersteller das gestattet und B.) entsprechendes Personal geschult wurde (vom Hersteller). Das wird in den Werkstätten zusätzlich zum Verlust von Arbeitsplätzen einen negativen Arbeitswert von ca. 30 – 40% erzeugen.

Doch damit nicht genug der Horrormeldungen!

Wenn in Europa die Diesel- und Verbrennerflotte ausgetauscht wird, wohin mit den alten Fahrzeugen? Verschrotten? Dass muss dann in Fernost gemacht werden, denn hier gibt es kaum noch Stahlkocher, die diese Aufgaben leisten können. Und: Geschätzt 70% der Altfahrzeuge werden Exportiert. Afrika wird ein großer Markt sein, dann wird das Weltklima eben in Afrika zu Grunde gerichtet denn der Ausstoß an CO2 wird sich nur sehr gering ändern. Und zu guter Letzt noch die Frage, WER produziert denn die Fahrzeuge, die auf unseren Straßen Umweltfreundlich mit 0-Immission unterwegs sind?

Deutsche Automobilhersteller?

Kaum glaubhaft. Aber China ist gerade dabei, diesen Markt für sich zu rekrutieren. Und wie sieht bei uns die Politik die Lösung? Wenn es nach unseren Verkehrsministern Sven Scheuer geht, versucht man das einfach auszusitzen in der Hoffnung, dass alles nicht so schlimm werden wird. Der Verdacht liegt nahe, dass der Steuerzahler bislang einfach mit den Wahrheiten dieses Teils der „Industrie 4.0“ nicht belastet werden kann.

Und die Wirtschaft?

Hier herrscht die Meinung vor, mit genug Geld kann man sich alles leisten.

 

Bayern ist ein Automobilland.

BMW, Audi, MAN-Nutzfahrzeuge und viele Zulieferer Produzieren in Bayern.

25% aller in Deutschland hergestellten Autos, werden in Bayern Produziert.

Deshalb fordern wir von der SPD AfA Bayern  einen Runden Tisch für die Automobilindustrie und Zulieferer. An diesen Runden Tisch müssen neben der Wirtschaft, den Gewerkschaften, Umweltverbänden auch die Politik besonders die SPD Sitzen.

Den nur mit der SPD ist dieser gewaltige Strukturwandel in der Automobilindustrie zu bewältigen. Hier müssen wir als Arbeiterpartei, die Ängste und Bedürfnisse der betroffenen Arbeitnehmer vertreten. Und nicht die Interessen des Kapitals.

 
 

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